Mitte des Jahres wurden wir gebeten vom Onlineportal Carpzilla zu verschiedenen Fragen Stellung zu beziehen. Wir möchten das Euch nicht vorenthalten.

DSAV – der Angelverband für den modernen Angler?

Steffen Quinger, 1. Vorsitzender des Deutschen Süßwasserangler Verbandes im großen Carpzilla-Interview. Erst kürzlich berichteten wir über den neuen deutschen Anglerverband DSAV (Deutscher Süßwasserangler Verband). Ein Angelverband, der nicht nur frischen Wind in die festgefahrenen Verbandsstrukturen bringen will, sondern sich insbesondere für die Belange der Angler einsetzen möchte. Ausgeschriebene Ziele und Leitsätze sind z.B.:
  • Förderung des Angelns Alle Anstrengungen zu unternehmen, das Angeln im Süßwassern zu fördern und zu sichern
  • Angeln und Naturschutz Die Vereinbarung des Angelns mit dem Naturschutz ohne Restriktionen
  • Jugendförderung Förderung und Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Angeln.
  • Integration von Menschen mit Migrationshintergrund Über das Angeln die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen
  • Freies Entscheiden über die Verwertbarkeit Dem Angler die Freiheit zu geben selbst zu entscheiden, welchen Fisch er verwerten kann und möchte und welchen nicht!
Hier geht es zum Carpzilla-Beitrag vom 18.07.2014: http://www.carpzilla.de/news/carpzilla-news/dsav-neues-sprachrohr-fuer-suesswasserangler-4528.html Egal ob Fliegenfischer, Friedfisch, Karpfen oder Raubfischangler, die Ziele und Leitsätze des DSAV sprechen tausenden ambitionierten Anglern in Deutschland aus der Seele. Natürlich wollte wir von Carpzilla mehr über den neuen Verband in Deutschland und die Möglichkeiten, die sich aus einer Mitgliedschaft ergeben, erfahren. Also haben wir Kontakt zu Steffen Quinger, dem ersten Vorsitzenden des DSAV aufgenommen und ihm um ein Interview für die Carpzilla-User gebeten. Hallo Herr Quinger, zunächst einmal möchten wir uns bedanken, dass wir Sie so schnell für ein Interview gewinnen konnten. Können Sie uns zunächst ein paar Eckdaten über den DASV nennen: Wie ist der Verband aufgestellt, seit wann existiert er, wie setzt sich der Vorstand zusammen und wie viele Angler sind bereits im DASV als Mitglieder organisiert? Aufgestellt ist er hoffentlich optimal über seine Gründungsmitglieder und über die formulierten Leitsätze bzw. die Satzung. Die Gründungsmitglieder sind aktive Angler aus Bayern, Bremen, Saarland, Niedersachsen, NRW und aus Sachsen. Die Geburtsstunde liegt im Februar 2014, wobei noch einige Zeit verging mit der rechtlichen Anmeldung und Anerkennung . Seit Mai 2014 sind wir im Netz aktiv und versuchen für unsere Einstellung oder bessere gesagt für den Verband zu werben. Die Mitgliederanzahl ist zur Zeit noch dreistellig, hier hätten wir ehrlich gesagt einen größeren Zulauf erwartet, aber die momentane Lage in Deutschland zum Angeln und die vielen Diskussionen im Rahmen der Fusion des DAV mit dem VDSF ist da wahrscheinlich für uns nicht förderlich. Warten wir es ab wie sich alles entwickelt. Was ist die Idee bzw. die Intention gewesen, die dazu geführt hat, einen Anglerverband zu gründen? Wir begrüßten damals (aber auch heute) die Gründung/Fusion des deutschen einheitlichen Anglerverbandes DAFV. Mit dem DAFV wurde der richtige Schritt gegangen. Aber wir haben auch schnell gemerkt, dass es im Verband auch Meinungen gibt, die wir nicht als nicht förderlich halten für das Angeln an sich. Es gibt dort lang gehegte Befindlichkeiten, die sich auch aus unserer Sicht sich nicht so schnell abbauen werden. Deshalb wollen wir die positiven Stimmen sammeln und uns stärker für die speziellen Interessen unserer Mitglieder im DSAV einsetzen. Die Ausrichtung im DSAV wollen wir deshalb gezielt schmal halten und das Angeln deutlich stärker in der Vordergrund rücken Der DAFV braucht Unterstützung und Fachwissen, um Entscheidungen und Anträge richtig bewerten zu können. Nicht jeder kann alles wissen, deshalb sehen wir unsere Aufgabe als Spezialverband darin, genau dort anzusetzen und nach unserem Sinn unterstützend tätig zu sein. Wir denken, mit dem DSAV kann man noch besser und gezielter Interessen vertreten. Und da es für das Süßwasserangeln in Deutschland im allgemeinen so etwas noch nicht gab, im Gegensatz zum Meeresfischen z.B., hoffen wir hier offene Tür einzurennen. Wir wollen streitbar und kritisch sein. Was uns bei der Recherche auf der DSAV-Website besonders aufgefallen ist: Es werden alle Süßwasserangler angesprochen, Karpfenangler aber nicht explizit. Gibt es da einen besonderen Hintergrund? Das ist etwas dem Umstand geschuldet, dass es im DAFV bereits einen Spezialverband für Karpfenangler gibt. Hier wollten wir uns zuerst einmal etwas vorsichtig orientieren. Wir wollen niemanden gegen seinen Willen vertreten oder Alleinvertretungsansprüche anmelden. Natürlich verstehen wir unter Süßwasserangeln auch Karpfenangeln, aber auch Fliegenfischen und Raubfischangeln. Wir wollen uns ganz sicher nicht als Stipperspezialverband verstanden wissen, die Gefahr ist aber groß. So wie sich im Meeresanglerverband alle Varianten des Angelns im Meer verbergen, so wollen wir auch für alle Süßwasserangler ein zu Hause bieten. Als ich mir interessiert die Ziele und Leitsätze durchlas, habe ich persönlich nicht schlecht gestaunt. Denn die Liste spricht einem modernen Angler, ganz gleich aus welchem Lager er auch stammen mag, aus der Seele. Besonders die Umsetzung des Ziels „ Anglern die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, welchen Fisch er verwerten kann und will“ würde einen Meilenstein für alle deutschen Angler darstellen. Wie realistisch ist ein solches Ziel und wie könnte es erreicht werden? Und nach welcher Regelung oder Form könnte sich der DSAV vorstellen, eine selbstbestimmte Verwertung des Fangs (auch gesetzlich) zu etablieren? Was hält ihr Verband von der sogenannten Küchenfensterregelung, bei der neben Schonmaßen Entnahmemaße für den Schutz von kapitalen Laichfischen zum Geltung kommen? Das eine sogenannte Küchenfensterregeln für bestimmte Fischarten sinnvoll sein kann, ist nicht neu und nicht unbekannt. Fachliche Grundlagen für die Sinnhaftigkeit einer solchen Reglung liegen schon seit vielen Jahren vor. Erst 2013 wurde das noch mal über die Publizierung einer Studie von Prof. Dr. Arlinghaus unterstrichen. Auch ist die selbstbestimmte Verwertung des Fanges rechtlich in einigen Bundesländern möglich. Am Ende kann man das auf die Aussage reduzieren, dass Fische, die ich gefangen habe und die ich auf Grund ihrer Größe oder Art nicht verwerten kann oder möchte, auch zurücksetzen sollte. Wir sind für catch and relase und für die selbstbestimmte Verwertung des Fanges. Die Einführung von sogenannten Küchenfensterregeln halten wir fachlich für sehr sinnvoll. Innerhalb der Redaktion haben wir über den Leitsatz „Über das Angeln die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen“ diskutiert. Grundsätzlich ein toller und lobenswerter Vorsatz. Die Praxis am Wasser hat uns in den letzten Jahren aber auch gezeigt, dass das Angeln, ( z.B. von Einwanderern osteuropäischer Herkunft),aber auch als Methode zur günstigen Nahrungsbeschaffung regelrecht missbraucht wurde. Was stellt sich der DASV unter diesem Punkt vor und wie stellt er sich die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in der Praxis vor? Es liegt in der Natur der Dinge, dass der Großteil unserer Angler weniger durch den Appetit auf Fisch ans Wasser getrieben wird, sondern hier der Freizeitgedanke mit im Vordergrund steht. Für Angler die gerade aus den östlichen Ländern bei uns ein neues zu Hause finden, ist das schwer vermittelbar, dort gehörte der gefangene Fisch als normales Lebensmittel in allen Größen und in allen Formen auf den Tisch. Das aber Fangbegrenzungen,. Mindestmaße und auch der völlige Schutz bestimmter Fischgruppen sinnvoll sein kann, muss vermittelt werden. Hier muss im Verband angesetzt werden und dort z.B. über Gemeinschaftsfischen mit genau diesen Gruppen. Hier können beide Gruppen voneinander lernen, auf der einen Seite, dass Besatz und Hege des Fischbestände teuer und aufwändig ist aber auch dass man durchaus aus Plötze und Brassen leckere Gerichte zaubern kann. Diese Angler nicht ausgrenzen und stigmatisieren, sondern diese Angler in das Verbandsleben aktiv einbeziehen und so versuchen das entsprechende Hegeziel in einem Gewässer besser zu vermitteln. Für viele Angler in Deutschland wirken die deutschen Verbandsstrukturen recht undurchsichtig und starr. Die zwei großen Verbände DAV (Deutscher Angler Verband) und der VDSF sind zum DAFV (Deutschen Angelfischer Verband) zusammengewachsen. Als Sprachrohr für uns Angler, wird der Verband aber kaum wahrgenommen. Oft fühlt man sich als Angler durch die Landes- und Regional-Verbände sogar eher eingeschränkt als unterstützt. Herr Quinger, was glauben sie, woher dieser Eindruck rührt und was dafür die Ursachen sind? Eigentlich ist die Verbandsstruktur in Deutschland recht einfach. Aber ich glaube, viele, auch ich, haben einige Probleme nach der Fusion der Verbände unterschätzt. Das eine ist die über Jahre gewachsene Befindlichkeit zwischen dem DAV und dem VDSF. Da wurden Feindbilder lange und ausgiebig gepflegt und es fällt jetzt doch schwerer als angenommen aufeinander zuzugehen. In beiden Verbänden gibt es jahrzehntelang gepflegte Richtlinien, Handlungsweisen und Strukturen. Jeder ging davon aus, es werde sich nicht viel ändern. Jetzt nach einem Jahr werden die Defizite deutlich, die man doch im Vorfeld hätte besser ausräumen sollen. Allein das Thema Hegefischen und die Art und Weise des nationalen und internationalen Umganges im Verband verursacht viele Meinungsverschiedenheiten. Das bleibt natürlich auch der Öffentlichkeit nicht verborgen und führt dazu, dass die Außendarstellung zurzeit sich auf die Probleme im Verband beschränkt und Erfolge oder positive Effekte der Fusion in dem Hintergrund rücken. Ich komme nicht darum herum auch darauf hinzuweisen, dass gerade in den Funktionärskreisen seit langer Zeit sehr festgefahrene Ansichten vorherrschen. Viele dieser Delegierten gehen selbst nicht mehr angeln. Ich möchte gleichzeitig nicht abstreiten, dass gute Erfahrungen vorhanden sind, die auch genutzt werden sollten. Aber es mangelt nach meiner Ansicht an Flexibilität, Offenheit und Liberalismus. Das aber brauchen wir, um in der Sache in unserem Sinne voran zu kommen. Ob das vielleicht an dem Alter dieser besagten Personen liegt oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Da soll sich jeder seine Meinung bilden. Welche Position hat der DSAV im deutschen Verbandsgefüge derzeit? Er spielt sicher zahlenmäßig im deutschen Verbandsgefüge momentan eine sehr kleine untergeordnete Rolle. Aber auf Grund seiner Ausrichtung und auch seiner offensiven Art in der Öffentlichkeitsarbeit ist er zumindest Gesprächsstoff in vielen Beratungen der Verbände. Schon allein der Antrag zur Mitgliedschaft im DAFV hat einige Mitgliedsverbände aufgeschreckt und man versucht nun diese Aufnahme, vorsichtig ausgedrückt, nicht sonderlich zu unterstützen. Das ist in meinen Augen ein gutes Zeichen, dass zeigt, dass wir richtig liegen mit unseren Leitsätzen und Ausrichtungen. Denn das ist auch unserem Ziel, die jahrelang eingeschliffene Denkweisen, die teilweise in meinen Augen anglerfeindliche Haltung von manchen Verbandsfunktionären zu durchbrechen. Das wir damit unbequem sind ist mir klar. Welchen Einfluss kann der Süßwasseranglerverband in Zukunft gegenüber dem Verbandsriesen überhaupt nehmen? Wir wollen durch sachliche Argumentation dazu beitragen etwas im DAFV zu bewegen. D.H. wir wollen an einer modernen Ausrichtung des DAFV mitwirken. Dabei nehme ich die Begriffe Umweltschutz und Naturschutz bewusst nicht an erster Stelle in den Mund. Wir wollen der Gegenpart sein, der nach den Diskussionen zu Themen wie Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie oder die Problematik Kleine Wasserkraft das Angel an sich wieder auf die Tagesordnung holt. Hier sind teilweise einige Verbände in ihren Denkschema in den Sichtweisen vor 25 Jahren stehen geblieben. Wir wollen mitwirken, bestimmte Feindbilder aus den Kopf zu bekommen. Feindbilder wie den „Wettkampfangler“ der grundlos Fische quält oder auch den Karpfenangler, der hundert Kilo faulender Boilies ins Gewässer einbringt und den Fische zur besseren Wiedererkennung die Flossen beschneidet. Ich habe manchmal den Eindruck, dass viele Diskussionen in den Verbänden durch fehlende Sachkenntnis häufig in die falsche Richtung laufen. Hier kann man ansetzten und durch sinnvolle Argumentation doch Sachen bewegen. Was wäre nötig, damit der Einfluss für einen Verband mit modernen Zielen, wie sie sich der DSAV auf die Fahne schreibt, zukünftig wächst? Einerseits mehr Angler die den Hintern hoch bekommen und sich für ihre Interessen besser einsetzen, anstatt Meckerforen zu füllen, andererseits mehr junge Funktionäre in den Landesverbänden, die offen sind für neues und den DSAV als das ansehen, was wir sein wollen: Ein Spezialverband, der unterstützend die Interessen der Süßwasserangler vertreten möchte. Ob die Gründung des DSAV richtig war, wird sich erst in einigen Jahren herausstellen, es ist ein Angebot an alle interessierten Angler. Nicht mehr und nicht weniger. Werden wir konkreter: Wie viele Mitglieder bräuchte der DSAV, um Veränderungen für Angler in Deutschland anzustoßen oder bei Entscheidungen als Sprachrohr der Angler gehört zu werden? Ich kann das nicht an konkreten Zahlen fest zu machen. Wir hatten bei der Gründung nicht das Ziel, als neuer großen Bundesverband in 3 Jahren z.B. mit 300.000 Mitglieder da zu stehen. Wir sehen uns als Spezialverband, der es sich leisten kann quer zu denken. Quer zu denken bedeutet bei mir, nicht mit im Fluss zu schwimmen, sondern sich auch unbequemen Fragen zu stellen. Unbequem bedeutet aber auch, dass man mit seinen Ansichten polarisiert und damit nicht mehr verbandsseitig „Mainstream“ ist. Uns sind damit 10 aktive Mitglieder die mitarbeiten, die sich einbringen, die den Verband auch entsprechend nach außen vertreten, lieber als 50 Karteileichen. Wir schielen hier mehr auf die Qualität als auf die Quantität. Und gerade die Angler, die sich mit den Themen unserer Leitsätze beschäftigen und sich damit identifizieren können, sind auch häufig die, die im Verein richtungsweisend sind. Darüber wollen wir die Angler ran. Sicher werden sich viele Angler durch die formulierten Ziele und Leitsätze des DSAV angesprochen fühlen. Welche Vorteile hat ein deutscher Angler, wenn er sich dazu entschließt im DSAV Mitglied zu werden? Der wichtigste Vorteil wird sicher sein, dass er einen Verband unterstützt, mit dessen Leitsätzen er sich identifizieren kann. Er stärkt mit seiner Mitgliedschaft den DSAV, der dadurch in seiner Außenwirkung wächst. Einen Verband, der 50 Mitglieder hat, nimmt niemand ernst. Ich muss mir hier leider selbst widersprechen, natürlich wird die Wirksamkeit eines Verbandes mit an der Mitgliederzahl festgemacht und natürlich wäre ich nicht erbost wenn wir mittelfristig vier- oder fünfstellige Mitgliederzahlen aufweisen können. Vorteile für den einzelnen deutschen Angler zu definieren ist problematisch, da jeder Angler sicher seine „Vorteile“ anders definiert. Wir möchten und wollen natürlich unsere Mitglieder fördern und unterstützen. Das reicht von der Durchführung von Veranstaltungen für unsere Mitglieder, wie z.B. dem IAM, wir wollen aber auch bei rechtlichen Problemen unterstützend eingreifen und ggf. auch Mitglieder vor Gericht vertreten. Teilnehmern an nationalen und internationalen Veranstaltungen können wir auch über unsere Partner direkt unterstützen. Aber es sollte immer ein Geben und Nehmen sein. Herr Quinger, zum Abschluss möchten wir uns für das Interview bedanken und Ihnen die Möglichkeit geben, das Wort abschließend an unsere Leser zur richten. Ich möchte mich dafür bedanken hier einige Gedanken zum DSAV äußern zu dürfen. Natürlich haben wir nicht für alle Fragen der Zeit zum Angeln immer eine passende Antwort oder noch besser einen passende Lösung parat. Die Gründung des DSAV erfolgte nicht zum Selbstzweck, sondern um etwas frischen Schwung in die etwas festgefahrene Verbandslandschaft hinein zu bekommen. Schauen wir mal, wo wir in einem Jahr stehen. Ich hoffe es wird eine Erfolgsgeschichte. ]]>

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